Tag 5

Schon der fünfte Tag ohne ihn. Es scheint wie eine Ewigkeit. Das letzte Mal, als er dem Vaterland diente, da versuchte ich meine Einsamkeit nach Möglichkeit zu ertränken. Was mich an den Rand des Alkoholismus brachte. Leider geht das dieses Mal nicht, oft habe ich Spätdienst, was die meisten Auswüchse des sozialen Lebens verhindert. Doch das ist nur ein Teil des Elendes: Seit gestern bin ich krank. Liege komatös im Bett oder vor dem Fernseher. Der wehrte Leser möge mir denn auch Schreibfehler verzeihen, die ich im Fieberwahn begangen habe. Niemand da, der mir Tee macht oder mich bemitleidet. So macht krank sein wirklich keinen Spass.

 

21 Tage Einsamkeit

Schon wieder muss ich ertragen, was so viele Frauen in meinem Alter wohl auch jährlich über sich ergehen lassen müssen. Nein, ich spreche nicht von unangenehmen Besuchen beim Zahn- oder Frauenarzt. Was ich die nächsten 21 Tage erdulden muss ist eine Zwangspause von meiner besseren Hälfte. Der liebe Mann muss schon wieder seinen Dienst am Vaterland tun. Konkret: Er brettert irgendwo im Wallis mit sinnlosen Panzerhaubizen herum und verbrennt damit wohl etwa gleich viel Brennstoff, wie bei einem Flug von Zürich nach Singapur.

 

Wie habe ich das letzte Mal gelitten, als er weg war. Samstag, der einzige Tag in der Woche, an dem ich ihn sah, konnte die scheinbar endlose Abwesenheit meiner besseren Hälfte nicht kompensieren. Um nicht komplett in der gefühlten Einsamkeit zu versinken, möchte ich dieses Mal, wenn man will als Psychotherapie, ein Online-Tagebuch führen.

 

Am Sonntag startet das Projekt "21 Tage Einsamkeit". Morgen und Übermorgen werde ich mich mental darauf vorbereiten. Dafür liste ich sämtliche Pros und Kontras auf, die ein solcher WK für die zuhause gebliebene Frau haben kann.

 

Mein neues Leben

Unglaublich viel hat sich getan, seit meinem letzten Blogeintrag.

Das Beste: Ich darf jetzt mit Schreiben mein Geld verdienen. 

 Für ein Mal habe ich mein Phlegma überwunden, sämtlichen Mut in den Tiefen meines Herzens zusammengesucht und mich für meinen Traumberuf beworben. Und tatsächlich, es hat geklappt. Wie gut Erfolg doch dem Ego tut! Natürlich darf ich nicht nur schreiben, ich darf auch hin und wieder Menschen telefonisch belästigen. Ein Traum.

Und eines Tages werd ich auch die grossen Geschichten machen, alles nur eine Frage der Zeit:

"This is Deborah Rast, for CNN, live from Bagdad."

Vodka und Tauben

Er sass auf einer Parkbank. Die Schneeflocken begannen sich heimtückisch still in seinem schütteren Haar festzusetzen. Die fast leere Flasche Vodka, die er in seiner Hand hielt, war seine einzige Wärmequelle in dieser kalten und trostlosen Zeit. Er schaute an sich hinunter. Nur Schnee, so weit das Auge reichte. Nur weiss, wo einmal ein jämmerliches Stück Fleisch, seine Gliedmassen, gewesen waren. Er war eins mit der Schneedecke der Parkbank. Einzig der Arm, mit dem er die Flasche verzweifelt fest hielt, war noch als solcher zu erkennen; das einarmige Schneemonster.

Einige wenige Menschen eilten an ihm vorüber. Sahen sie ihn gar nicht mehr, so tief war er bereits unter der wohlig warmen Schneedecke begraben? Oder wollten sie den blauen, schneebedeckten Arm mit dem Billigfusel gar nicht wahrnehmen, um sich nicht ihrer eigenen Einsamkeit bewusst zu werden?

 

Er verschwendete keinen Blick an die vorbeilaufenden Passanten. Gestresste Menschen, die waren doch eh alle austauschbar. Sein Augenmerk galt viel mehr einer Taube, deren verzweifelte Versuche, sich einer Brotkrumme zu nähern, ihn amüsierten. Jeweils kurz bevor die fette Taube das Ziel ihrer Wünsche, eine prächtige Zimtsternkrume, erreichte, rutschte sie auf dem Eis aus.  Der Kopf knallte nur Milimeter vor der Krume hin.

 

Er betrachtete das grausame Spiel fasziniert. Inzwischen hatte ein klarer Himmer voller leuchtender Sterne die dichten Schneewolken abgelöst. Er beachtete es nicht. Wie versteinert schaute er die Taube im der der Strassenlaterne zu, bis die Taube ihren blutiggeschlagenen Kopf nicht mehr hob. Auch er hob den Kopf nicht mehr. 

Back and blue

Wieder zu Hause in der Schweiz. So idyllisch mögen gewisse Menschen ihre Rückkehr aus den Ferien bezeichnen. Doch in meinen Ohren tönt dieser Satz dieses Mal schlichtweg falsch.

 

Wo ist mein zu Hause? Ist es tatsächlich in der Schweiz? Unter zu Hause ist allgemein ein Ort zu verstehen, an dem man sich wohl und geborgen fühlt, also the place to be.

 

Doch so einfach ist es für mich nicht. Es regnet und ist kalt. Ich suche Winterjacken und Wollpullover zusammen, um meine Körpertemperatur einigermassen im Normalbereich zu halten. Mein heissgeliebtes Monoi (ein Körperöl aus Kopra, es gibt nichts Besseres für die Haut) verkommt zu einer gallertartigen Masse. Alte Menschen schauen mich im Supermarkt böse an, wage ich nur sie freundlich anzuschauen oder rutscht mir sogar ein leises "Iaorana" henaus. Wieder stellt sich die Frage, ob ich meine Leidenschaft zum Beruf machen kann: das Schreiben und Texten.

 

Ach, Kulturschock und Jetlag sind hart. Da stellt sich meiner verzweifelten Seele nur noch eine Frage: Wie lange noch mag die Akklimatisierung dauern?

Does evil have a mustache?

Während meiner letzten Vorlesung am HEI (US foreign policy since 1945) riss einer meiner Mitstudenten sein Maul ziemlich weit auf und behauptete, dass das Problem des "good and evil thinking" der USA sei, dass "evil" nur schwer personifiziert werden könne. Doch unser sehr geschätzter Professor, dessen Vorlesungen mir inzwischen sehr fehlen, meinte nur:

"Evil has a mustache."

 

Eine sehr interessante Aussage geschichtlich, aus der Sicht der USA: Stalin und Hitler gehören sicher dazu. Und heutzutage ist es immer noch zutreffend: Bin Laden, Achmadinejad, .. und natürlich all die Terrorverdächtigen, die in Guantanamo eingekerkert sind.

Falls ich irgendwann mal doktorieren sollte, werde ich diesen Satz sicher zur Grundlage meiner These machen.

 

In meinem Berufsleben musste ich jedoch eine bisher ganz andere Erfahrung machen:

Evil ist zumeist unbeschnauzt, da hauptsächlich weiblich.

Dazu gehört Evil noch eher zu den älteren Semestern, entspricht nicht zu 100% unserem westlichen Schönheitsideal, ist beruflich nicht genügend gefordert (sprich: frustriert und gelangweilt) und lebt wohl schon seit längerem unfreiwillig polygam.

 

All dies verführt Evil dazu, seinem Namen gerecht zu werden, besondern Praktikantinnen gegenüber. Diese zu malträtieren und sich dann noch bei HR zu beschweren, wenn gewisse Leute nicht jeden Morgen vor ihrem obligatorischen Kaffee, all den 42 Mitarbeitern freudestrahlend einen wunderschönen Tag wünschen.

 

Fazit: THE DEVIL DRIVES A CAR BRAND WHICH MUST NOT BE NAMED.

Welcome to 2008

Und schon wieder ist ein Jahr vergangen... und was für ein Jahr!

Sicherlich kein Einfaches, und doch ein sehr Gutes. Ich habe ein Studium an einer Eliteuniversität abgeschlossen (sogar erfolgreicher als dass ich, und viele andere, gedacht haben), habe eine erste Stelle gefunden und sie angetreten.

Ich bin unglaublich gespannt, was das neue Jahr alles mit sich bringen wird. Viele grosse Entscheidungen, so viel ist sicher. Mein Marketingpraktikum abschliessen, Russisch lernen, ein Mal um die ganze Welt reisen und eine Stelle in meinem Traumberuf finden. Wird mir dies in der Romandie gelingen? In der Schweiz? Oder sonst wo?

 

Ich freue mich auf 2008 und wünsche allen, die zufällig auf meinen Blog stossen ein glückliches und erfolgreiches neues Jahr.

Einmal mehr: Neue Bilder!

So, nach längerer Abwesenheit meld ich mich endlich mal wieder auf meinem Blog zu Worte.

 

Da ich aber zur Zeit alles daran setze mein armseeliges Studentendasein so schnell wie möglich zu beenden (sprich: Abschlussprüfungen), wollte ich euch nur kurz mitteilen, dass die Bilder in der Galerie Moi-Même upgedatet wurden.

 

Viel Spass beim Anschauen, ich werd mich nach meinen Prüfungen wieder mit neuen Beiträgen melden, zum Beispiel zum Thema: Evil has a mustache.

 

 

Vom süssen Studentenleben

Auch wenn, meine sehr geehrte Blogleserschaft, das Thema des süssen Studentenlebens, also das Klischee des faulen Studenten, der ja nichts Anderes zu tun hat als während den Vorlesungen zu schlafen und das Leben, in der reichlichen, vorlesungsfreien Zeit, in vollen Zügen geniessen kann, nicht besonders originell sein mag, muss ich mich doch dieses eine Mal dazu hinreissen lassen, darüber zu schreiben.

 

Selbstverständlich kann auch ich manchmal, während einer Vorlesung, der Versuchung eines Powernappings nicht widerstehen. Und doch kann ich den Spruch: "Ihr Studenten seit doch nur zu faul um zu arbeiten!" nicht mehr hören.

 

Haben diese Menschen schon mal etwas vom berühmt, berüchtigten Semesterendstress gehört? Nein? Dann lassen sie mich diesen kurz definieren: Eine mehrwöchtige Phase, dem Ausdruck entsprechend vor dem Ende des Semesters, während der Deborah nicht mehr aus dem Haus geht (ausser um an die Uni zu gehen), keine Freunde mehr und auch sonst keine Hobbies mehr hat. Diese Phase dient einzig und allein dazu, für die Uni zu arbeiten, um das Semester zu bestehen.

 

 

Konkret dauerte diese Phase letztes Semester 5 Wochen, während dieser Zeit hatte ich drei Arbeiten geschrieben und für zwei Prüfungen gelernt. Dieses Semester fällt die Phase etwas milder aus; sie dauert nur 4 Wochen und ich schreibe zwei Arbeiten und zwei Vorträge und lerne für eine Prüfung. Natürlich kommt jetzt der gewitzte Organisator und meint, dass man mit besserem Time Management, sich diesen Stress sparen könnte. Könnte Frau das? Nein, den während der weniger stressigen Phase des Semesters muss Frau schliesslich ihre Brötchen verdienen!

 

 

FAZIT: DAS STUDENDTENLEBEN IST DOCH NICHT SO SÜSS WIE TRUFFESCREMETORTE, SONDERN EHER WIE GRAPEFRUIT. FREU ICH MICH AUF DEN EINSTIEG INS BERUFSLEBEN!

In Gedenken an Ludwig Rast

Normalerweise es sich die hochgeschätzte Blogleserschaft ja gewohnt, über meine kleinen, mehr oder weniger tragischen, Alltags-"Debbiesaster" in charmanter Weise aufgeklärt zu werden.

 

Doch dieses Mal steht mir der Sinn nicht nach schönen, sarkastischen Worten. Ich möchte diesen Arktikel einem ganz besonderem Menschen widmen; meinem Grossvater Ludwig Rast. Er ist letzten Freitag, nicht nach langer, nicht nach kurzer, Krankheit gestorben, sondern einfach, ganz plötzlich, tot umgefallen.

 

Er war ein liebevoller Mensch, ein toller Grossvater, der mich gerne mit auf die Jagd, auf den Hochsitz oder zum Wandern mitnahm. Er war genau der Grossvater für mich, wie ich ihn mir später einmal für meine Kinder wünsche: stehts mit einem Lächeln im Gesicht, mit kleinen Lachfältchen um die Augen, und wusste immer eine spannende Geschichte zu erzählen.

 

Mein Grossvater war ein unglaublich engagierter Mensch, bis heute habe ich wohl nicht herausgefunden in wie vielen Vereinen und Stiftungen er Mitglied, wenn nicht sogar Vorstand war. Ein Mensch, der auf der einen Seite stark verwurzelt war mit seinem Wohnort, Muri, und der, erst vor wenigen Jahren mit Leidenschaft die Kampagne "Nein zum neuen Klosterhof" initierte und führte; der Umbau des Klosterhofes wurde mit klarem Mehr angenommen. Auf der anderen Seite war mein Grossvater auch der Mensch, der, gemeinsam mit meiner Grossmutter, während des kalten Krieges durch die UdSSR reiste, unter der Hand Schweizer Franken in Rubel wechselte und die Strümpfe seiner Frau irgendwo in Sibirien gegen lokale Lebensmittel umtauschte.

 

Grospi, Väterli, Ludwig, du fehlst uns!

 

 

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